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Tom Uhlig sei ein alter Fuchs. Sagt Lothar Gwosdz. In Rodewisch habe der schon erstklassig gekämpft. Gegner Lindo König lächelt bescheiden, verbeugt sich artig und marschiert auf die Matte. Jenas Lausbub will es dem alten Fuchs zeigen. Schnell führt er. Waza-ari. Dann schlägt der alte Fuchs zurück.
"So gehst du ab" - ruft Lothar Gwosdz. Lindo König müsse mehr tun. Sich nicht nur auf die Verteidigung verlassen. Klammern! Klammern! Lindo König macht, was man ihm sagt. "Lindo, Lindo, Lindo!" 350 Judo-Fans feuern ihn an. Sekunden vor dem Ende will König schleudern, Uhlig hat die Beine drin - klare Wertung für Jena. Mitnichten! Yuko für Uhlig, er habe den Wurf übernommen. Die Unparteiischen fällen eine unpopuläre Entscheidung, der alte Fuchs gewinnt, Chemnitz den Kampf mit 4:2. An Lindo König lag das nicht; nicht an der letzten Fehlentscheidung. "Das haben wir vorher aus der Hand gegeben", sagt Mario Blei, der Trainer des Teams und der Abteilungsleiter der Judoka im TuS Jena. Dabei wäre dieser Sieg über Chemnitz so wichtig gewesen. "Wir wollen unter die ersten Drei kommen, um in der kommenden Saison einen zweiten Heimwettkampf zu haben", erklärt Blei.
Ein solcher stünde der Liga gut zu Gesicht, denn nirgendwo, das bestätigen die Gäste gerne, sei die Stimmung dermaßen hervorragend wie in Jena. 350 Fans klatschen und buhen, schreien und trommeln, was das Zeug hält. Der größte Fanblock bekommt sogar einen Sonderpreis. Auf dem Siedepunkt ist die Stimmung schon beim ersten Kampf des Tages. Andy Poltrock braucht zehn Sekunden für einen Ippon-Sieg gegen Heiko Codok von Grün-Weiß Dresden. Auch Kilian Gebhardt, Stephan Riedel, Florian Schröpfer und Carsten Göbel lassen ihren Kontrahenten keinerlei Chance. Göbel schleudert Robert Becke fulminant aufs Kreuz, macht so den Sieg für Jena perfekt. Da schmerzt Bleis Niederlage nicht mehr so sehr. "Es war ein taktischer Fehler, im Limit bis 90 Kilo zu kämpfen. Mein Gegner war 20 Jahre jünger, das holt man nicht auf", sagt er. So aber kommt Torsten Obstfelder zu seiner Premiere auf der Matte. Denn eigentlich ist Obstfelder gelernter Ringer. Aber es fehle an schweren Jungs, berichtet er. "Die Griffe sind ähnlich und an den Rest gewöhnt man sich", sagt er. Sein erstes Duell dauert gerade 14 Sekunden - der Jubel aber ist ihm dennoch sicher. Auch gegen Dresdens Uwe Drechsel verliert er, zieht sich in seinem zweiten Kampf aber schon besser aus der Affäre.
Nur Andy Poltrock und Kilian Gebhardt besiegen ihre Chemnitzer Kontrahenten, Blei schafft gar ein Unentschieden. Lindo König hat es in der Hand gehabt, doch seine Passivität bringt den alten Fuchs Tom Uhlig zurück ins Duell. Lothar Gwosdz hat es ja gewusst.