Mädchenpokal Werdau

Sekunden, die den Kampf entscheiden

Es war kein kleines Turnier. 260 gemeldete Sportlerinnen aus sechs deutschen Bundesländern und Tschechien, 49 Vereine — und mittendrin unsere handverlesene Fünfergruppe aus Werdau Arnhild, Marlene, Elise, Johanna und Rabea: Klein die Delegation, groß die Erwartungen. Was dann folgte, war Sport in Reinform: Triumph, Pech, Verletzung und Baff-Sein.

Den Anfang machte Johanna, und was für einen. In der Gewichtsklasse Frauen bis 78 kg ließ sie schlicht keine Fragen offen: souverän, vorzeitig, mit Wurfpunkten — alle Gegnerinnen bezwungen. Hinterher grinste sie und gestand trocken, dass sie heute wohl mehr Kämpfe bestritten als Trainingseinheiten in diesem Jahr. Ob das nun Selbstkritik war oder einfach nur ein sehr guter Witz, sei dahingestellt. Auf die Matte ließ es sich jedenfalls nicht aus.

Rabea wollte es ihr gleichtun. Gewichtsklasse Frauen bis 70 kg, erster Kampf: gewonnen. Alles nach Plan. Dann kam Kampf zwei — und mit ihm das, was im Judo gelegentlich passiert und trotzdem immer wieder überrascht: ein „unverhoffter Gegentreffer“. Rabea verlies sehr baff nach dem ein Konterwurf entgeistert die Matte. In der Trostrunde lief es dann auch nicht rund, Kampf um Platz drei ebenfalls verloren. Nicht ihr Tag — aber solche Tage gehören dazu, und wer schon mal mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck auf dem Boden gelegen hat, weiß: Beim nächsten Mal sitzt der Konter auf der anderen Seite.

Wenn man einen Preis für den dramatischsten Kampf des Tages vergeben würde — Arnhild hätte ihn redlich verdient. In der Klasse U13 bis 52 kg verlor sie ihren ersten Kampf schnell gegen Hegazy aus Weimar, die später die gesamte Gewichtsklasse gewinnen sollte. Keine Schande!

Im zweiten Kampf folgte dann das eigentliche Drama. Früh in Rückstand geraten, ein Waza-ari gegen sie — weniger entschlossene Kämpferinnen hätten da möglicherweise innerlich die Segel gestrichen. Nicht Arnhild. Nervenstark und klar arbeitete sie sich Yuko für Yuko heran. Die Spannung stieg. Die Uhr lief. Und dann, vier Sekunden vor dem Ende, hatte sie die Gegnerin endlich im Haltegriff — die hielt sich neun Sekunden. Neun. Für eine Waza-ari wären zehn nötig gewesen. Vorzeitig ausgeschieden, durch eine einzige Sekunde. Das ist Judo. Das ist auch ein bisschen gemein. Aber wer so kämpft, hat verloren und trotzdem gewonnen — nämlich das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, in Rückstand nicht nachzugeben.

Elise hatte in der Gewichtsklasse U15 bis 57 kg ein Freilos bekommen und traf dann auf die Sportschülerin Wohlrath aus Leipzig. Sie lag in Führung — doch der Sack blieb offen. Aus dem Kampf heraus geriet sie selbst in einen Hebel und musste das Turnier verletzt abbrechen. Gute Besserung, Elise — und der Blick geht schon nach vorn: der Messecup in Erfurt kommt bald, und mit etwas Zeit zur Erholung ist sie dabei.

Da der Veranstalter nur einen Start pro Athletin zuließ, suchte Marlene kurzerhand in der Altersklasse U15 in der Gewichtsklasse bis 40 kg ihre Herausforderung. Vier Kämpfe. Vier Siege. Gold! Was bei älteren Gegnerinnen für manch eine zur Zitterpartie werden kann, erledigte Marlene mit einer Ruhe und Leichtigkeit, die beeindruckte.

Fünf Sportlerinnen, zwei Gold, eine Verletzung, eine knappe Sekunde Pech und eine Menge Judo-Erfahrung, die sich nicht in Ergebnissen messen lässt. So ein Turniertag mit 260 Starterinnen aus sechs Bundesländern und Tschechien ist selten eine ruhige Angelegenheit — aber er ist immer eine lehrreiche. Gute Besserung an Elise, Kopf hoch an Rabea und Arnhild, und Glückwunsch an Marlene und Johanna.

Fotos: Theresa Reuken